Krebs

Was ist Krebs?

Es gibt über 200 verschiedene Arten von Krebs, die entstehen, wenn sich veränderte Zellen unkontrolliert im Körper teilen. Normalerweise wachsen menschliche Zellen und teilen sich, um neue Zellen zu bilden, wenn der Körper sie braucht. Wenn Zellen alt oder beschädigt werden, sterben sie ab und werden durch neue Zellen ersetzt. Wenn Krebs entsteht, bricht dieser normale Prozess zusammen. Die Zellen werden zunehmend abnormal. Dadurch überleben alte oder beschädigte Zellen, obwohl sie absterben sollten, und neue Zellen werden gebildet, obwohl sie nicht gebraucht werden.

Wo liegt das Problem?

Krebs ist in ganz Europa verbreitet. Schätzungen der neuesten Studien zufolge werden mehr als 50 % aller Erwachsenen, die heute jünger als 65 Jahre alt sind, im Laufe ihres Lebens an irgendeiner Form von Krebs erkranken. Der Zusammenhang zwischen HIV und Krebs ist kompliziert. Während manche Krebsarten bei Menschen mit HIV häufiger auftreten, z. B. Krebsarten, die durch Infekte verursacht werden, besteht kein erhöhtes Risiko einer Erkrankung an Brust-, Prostata- oder Dickdarmkrebs.

Wie erhöht HIV mein Risiko einer Krebserkrankung?

Manche Krebsarten, die durch Infekte verursacht werden (After-, Leberkarzinom oder Hodgkin-Lymphom), kommen bei mit HIV lebenden Menschen häufiger vor, weil HIV das Immunsystem schwächt und die Fähigkeit des Körpers, Infekte zu bekämpfen, einschränkt. Haut- und Mundkrebsformen kommen bei mit HIV lebenden Menschen ebenfalls häufiger vor. Außerdem werden das Afterkarzinom und der Lungenkrebs bei Menschen mit HIV in einem früheren Alter festgestellt.

Durch Infekte verursachte Krebsarten

Das Afterkarzinom kommt bei sonst gesunden Menschen selten vor. Die genauen Ursachen sind unbekannt, aber das Risiko der Entstehung eines Afterkarzinoms ist erhöht bei Menschen, die mit dem humanen Papillom-Virus (HPV) infiziert sind, was wiederum unter mit HIV lebenden Menschen häufiger vorkommt. Bei Menschen mit HPV und/oder HIV besteht ein größeres Risiko der Entstehung eines Afterkarzinoms. 

Das Leberzellkarzinom (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) stellt die häufigste Art von Leberkrebs dar. In den meisten Fällen liegt die Ursache in einer Zirrhose, die als Folge einer Virushepatitis-Infektion (Hepatitis B oder C) oder eines übermäßigen Alkoholkonsums über einen längeren Zeitraum hinweg auftritt. Eine Koinfektion mit Hepatitis B oder C tritt bei Menschen mit HIV häufig auf. Außerdem ist bei Menschen mit HIV häufiger ein übermäßiger Alkoholkonsum zu beobachten als bei HIV-negativen Menschen.

Bei dem Hodgkin-Lymphom handelt es sich um eine selten Krebsform, die im lymphatischen System – einem Netzwerk aus Drüsen und Gefäßen, die über den ganzen Körper verteilt sind – entsteht. Die genauen Ursachen des Hodgkin-Lymphoms sind unbekannt, aber ein geschwächtes Immunsystem erhöht die Wahrscheinlichkeit der Entstehung dieser Krebsart. Bei fast allen Fällen des Hodgkin-Lymphoms bei Menschen mit HIV besteht ein Zusammenhang mit dem Epstein-Barr-Virus, das Drüsenfieber verursacht und weltweit bei mehr als 90 % aller Erwachsenen vorliegt.

Bei dem Kaposi-Sarkom handelt es sich um eine seltene Krebsart, die durch ein Virus verursacht wird. Es kann die Haut sowie innere Organe betreffen. Es wird überwiegend bei Menschen mit einer schlecht kontrollierten oder schwerwiegenden HIV-Infektion festgestellt. Es kann auch bei Menschen auftreten, die aus einem anderen Grund ein geschwächtes Immunsystem haben, sowie bei Menschen mit einer genetischen Anfälligkeit für das Virus. Zu den häufigsten frühen Symptomen zählt das Auftreten von kleinen, nicht schmerzenden, flachen und verfärbten Flecken auf der Haut oder im Mund.

Das Tempo, mit dem die Symptome fortschreiten, hängt von der Art des Kaposi-Sarkoms ab. Die meisten Arten verschlimmern sich unbehandelt schnell, nämlich innerhalb von Wochen oder Monaten, doch einige schreiten über mehrere Jahre hinweg langsam fort.

Mit dem Lebensstil zusammenhängende Faktoren, einschließlich des Rauchens und des übermäßigen Alkoholkonsums, sind für etwa 40 % aller Krebsformen verantwortlich, und bis zu einem gewissen Maß lässt sich das erhöhte Krebsrisiko unter Menschen mit HIV damit erklären, dass viele von ihnen rauchen und Alkohol trinken und dass es bei ihnen häufig zu HPV- sowie Hepatitis-C-Infektionen kommt. Bei Menschen mit HIV ist eine Lungenkrebs-Diagnose dreimal wahrscheinlicher als bei anderen Menschen.

Durch die antiretrovirale HIV-Therapie wird das Risiko von Krebsformen verringert, die durch Infekte verursacht werden. Einige Krebsformen kommen jedoch seit der Einführung der Therapie häufiger vor. Dies könnte einerseits darauf zurückzuführen sein, dass Menschen mit HIV heute länger leben. Mit einigen Ausnahmen hängt Krebs meistens mit dem Älterwerden zusammen. So werden drei Viertel (78 %) aller Krebsformen bei Menschen im Alter ab 55 Jahren diagnostiziert. Da die erfolgreiche antiretrovirale Therapie es Menschen mit HIV ermöglicht, fast genauso lang zu leben wie die allgemeine Bevölkerung, ist es logisch, dass das Risiko der Erkrankung an bestimmten Krebsformen steigt.

Wie kann ich mich vor Krebs schützen? 

Jeder Mensch kann an Krebs erkranken. Jedoch können Sie das Risiko verringern, indem Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung achten, mit dem Rauchen aufhören und den Alkoholkonsum reduzieren. Es ist auch gut, auf ein normales Körpergewicht zu achten und die Haut nicht übermäßig der Sonne auszusetzen. Regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen, einschließlich Gebärmutterhals-, Brust-, Darm- und Prostatakrebs, sind notwendig und für alle Menschen zu empfehlen, nicht nur für mit HIV lebende Menschen. Es gibt noch Vieles hinsichtlich der Verbindungen zwischen HIV und Krebs zu erforschen, und es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem medizinischen Betreuungsteam sprechen, um zu erfahren, wie Sie Ihr Krebsrisiko am besten verringern können.

Wussten Sie schon?

Es gibt mehr als 200 Krebsarten, aber nur drei davon werden als „AIDS-definierend“ bezeichnet, d. h. Krebsarten, die häufiger bei Menschen mit HIV auftreten, bei denen der CD4-Wert niedrig ist: Kaposi-Sarkom, invasiver Gebärmutterhalskrebs und Non-Hodgkin-Lymphom. Diese AIDS-definierenden Krebsarten sind seit der Einführung der antiretroviralen Therapie viel seltener geworden.

Fragen, die Sie Ihrem Betreuungsteam stellen sollten

  • Ist das Risiko von Krebserkrankungen bei mir erhöht, weil ich mit HIV lebe oder einen bestimmten Lebensstil führe? Wenn ja, welche Krebsarten?
  • Wie kann ich das Risiko einer Krebserkrankung bei mir verringern?
  • Für welche Krebsarten gibt es Vorsorgeuntersuchungen und wie oft sollte ich diese durchführen lassen?